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Flyfishing Haase


Chile / Fliegenfischen in Patagonien 2012


Ein Reisebericht von Manfred Mayer



Nur wenige Länder bieten derart schroffe Gegensätze wie Chile. Als langer Streifen erstreckt sich das Land an der Westküste Südamerikas, 4300 Kilometer lang und bis zu 380 Kilometer breit.
Im Norden liegt die Atacama Wüste, eine der heißesten und trockensten Gebiete unserer Erde. Im Süden hingegen, wo der Weg nach Kap Horn nicht mehr weit ist, findet sich eine bizarre Welt aus Fels und Eis. Dazwischen liegen riesige Gebiete mit gemäßigtem bis alpinen Klima, die es zu erkunden lohnt, nicht nur wegen der grandiosen Berglandschaft und den traumhaften Fischereimöglichkeiten. Im Januar besuchte ich mit meinem Freund Thomas unseren gemeinsamen Freund Max in Patagonien um das Land kennenzulernen und natürlich mit der Fliege zu fischen. Hier ein Bericht meiner Reise:


Endlich da, in Patagonien!


Nach rund 25 Stunden Flugzeit mit Zwischenlandung in Santiago de Chile aus, setzt der Flieger in Balmaceda, dem Flughafen von Coihaique, trotz des hier immer herrschenden Windes recht sanft und bei strahlendem Sonnenschein zur Landung an. Balmaceda liegt direkt an der argentinischen Grenze, der Flughafen nimmt mehr Raum ein wie die wenigen Hütten, welche die Ortschaft ausmachen.

Die Umgebung besteht aus trockenem Weideland, am Horizont begrenzt von Hügelketten und schneebedeckten Bergen.

Hier scheint im wahrsten Sinne des Wortes "der Hund begraben".

Max, der hier schon oft war und sich bestens auskennt, hatte uns auf dem Airport in Coihaique in Empfang genommen und fährt nun mit uns im Suzuki Allrad ca. 250-Kilometer auf der Carretera Austral nach Süden in die Gegend um den Lago General Carrera - beide sind weit über diese chilenische Region namens "Aisen" hinaus bekannt.



Die Carretera Austral - diese legendäre, staubige Schotterpiste, die auf vielen hundert Kilometern als einziger Weg nach Süden führt und der Lago General Carrera, der zweitgrößte See Südamerikas, der ...


 

... seine Wassermassen in Chile und Argentinien (dort heißt er Lago Buenos Aires) verteilt, seine unglaublich blaue Farbe in jedem Tageslicht anders zeigt und dessen Wasser über den bildschönen Rio Baker in den Pazifik abfließen. Gefischt wird auf Regenbogenforelle, Browntrout, Seeforelle Barsch (Perca) und Landlocked Salmon.

Während der langen Fahrt verzaubert uns Patagoniens grandiose Berglandschaft. Die erste Hälfte führt uns durch mannigfaltige und faszinierende Gebirgslandschaften. Schneebedeckte Berggipfel, Urwälder, urtümliche Flusslandschaften, brandgerodetes Weideland und vom Vulkanismus geprägte Gebiete wechseln sich miteinander ab.


 

Auf der gesamten Strecke kommen uns nur einige Autos entgegen und wir sehen nur sehr wenige Menschen.



Genug geschwärmt und nun zu den Dingen, die den Fliegenfischer richtig interessieren. Die nächsten Tage bei milden Sommerwetter und Sonnenschein sind ausgefüllt mit der Erkundung der Fischerei. Mit Max steht uns ein ortskundiger, begeisterter Fischer zur Verfügung, der das Land und die Fischereimöglichkeiten bestens kennt. Übernachtet wird bei verschiedenen Auswanderern aus Deutschland und der Schweiz, die uns herzlich aufnehmen und bestens mit „Selbsterzeugtem“ verwöhnen. Kulinarische Höhepunkte sind Fischgerichte und am offenen Feuer gebratene, frisch geschlachtete Lämmer.


"Gekreuzigtes Lamm" - eine Spezialität

Für die Fliegenfischerei stehen wirklich phantastische Gewässer zur Verfügung, von denen man in Europa nur träumen kann. Der Rio Baker: das Highlight der ganzen Region! Ein großer Fluß mit klarem, hellblau leuchtendem Wasser. Er entspringt aus dem Lago Bertrand und beherbergt einen großen Bestand an Regenbogenforellen, Browntrouts und Lachsen.
Die Fischereisaison geht von Oktober bis Anfang April. November, Dezember, Januar und Februar sind beste Zeit für Bachforelle, Regenbogenforelle, Lachs, Seeforelle und Barsch.


Braunes „Urgestein“ aus dem Rio Oscuro


Königslachs aus dem Rio Oscuro – mit Hilfe von Thomas konnte ich diesen 36-Pfünder landen


Thomas präsentiert seinen 30-Pfünder

 

Perca – eine heimische Barschart mit herrlicher Zeichnung

Seeforelle im Lago General Carrera – am Zufluss des Rio Maiten

Max mit einer wunderschönen Regenbogen aus dem Rio Baker


Eine weitere patagonische Schönheit

Zu den Geräten und Fliegen: An größeren Bächen bzw. kleineren Flüssen eignet sich das gleiche Gerät und die Fliegen, die wir auch zu Hause benutzen. Aber bei dem oft heftigen Wind ist es angebracht, alles eine Klasse höher zu wählen. Für die Forellenfischerei bewährten sich Sedges, Libellenmuster und ganz normale Nymphen. Heftig attackiert werden Tschernobyl Ants und andere gezogene Oberflächenmuster. Insgesamt waren wir überrascht, dass die Fische, obwohl sie an manchen Gewässern nahezu nie befischt werden, sehr wählerisch waren.



Große Hirschkäfer kommen in Patagonien sehr häufig vor und sind als Imitation (z.B.“ Fat Albert“) geräuschvoll angeboten für Forellen oft unwiderstehlich.


Typisch Patagonien - Berge, Gletscher und Fischgründe in Hülle und Fülle.


Heute gibt es Seeforelle zum Abendessen.





















Für die schwerere Fischerei in Flüssen und Seen eignet sich eine 9 Fuß-Rute, Klasse 8 und verschiedene Streamer. Wooly Buggers waren nicht überall gleich attraktiv - am besten bewährt haben sich Muster in Grizzly grau/braun.

Es empfiehlt sich, kurzgeteilte Ruten mitzunehmen - so passen diese in den Koffer und man muss kein zusätzliches Gepäckstück aufgeben.
Neben der Fischerei sind ein paar der herrlichen Sehenswürdigkeiten ein „Muss“, wie z.B. ein Schiffsausflug zu den beeindruckenden Marmorhöhlen oder einem der gewaltigen Gletscher.

Die Marmorhöhlen – in Marmor gewaschene Kathedrale

Treibeis mit Gletscher im Hintergrund


Auch einen Ausritt in die Berge sollte man auf keinen Fall verpassen – zumal man auf diese Weise an Gewässer gelangt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit noch nie befischt wurden.


Trotz des relativ kurzen Aufenthalts von 19 Tagen inklusive Flugzeit hat sich die Reise gelohnt. Die gewaltige Natur, unberührte Landschaften und fantastische Fischereimöglichkeiten entlohnen für den langen Anreiseweg.


Ich kann es kaum noch erwarten bis es wieder heißt:

Endlich da, in Patagonien!


Ihr

Manfred Mayer